„Siehst du wirklich, was ich sehe?“ Neue digitale und interaktive Anwendung (APP) zur Perspektivenübernahme und Gefahrenwahrnehmung
Die digitale und interaktive Anwendung „Siehst du wirklich, was ich sehe?“ stärkt die Perspektivenübernahme und Gefahrenwahrnehmung von Verkehrsteilnehmer:innen und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit im österreichischen Straßenverkehr.
Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass Verkehrssituationen von unterschiedlichen Personen sehr verschieden wahrgenommen werden – abhängig von Verkehrsmittel, Körpergröße, Sitzhöhe, Erfahrung und Entwicklungsstand. Ziel der Anwendung ist es, diese Unterschiede sichtbar zu machen und das gegenseitige Verständnis im Straßenverkehr zu fördern.

Zielsetzung
Die Anwendung sensibilisiert Nutzer:innen dafür,
- Verkehrssituationen nicht nur aus der eigenen Perspektive zu betrachten
- potenzielle Gefahren frühzeitig zu erkennen
- mögliche Handlungen anderer Verkehrsteilnehmer:innen vorausschauend einzuschätzen
- Aufmerksamkeit, Konzentration und Verständnis für komplexe Verkehrssituationen zu stärken
Damit wird ein zentraler Baustein der Gefahrenwahrnehmung und Unfallprävention adressiert.
Was bietet die App?
In der Anwendung wird eine vierarmige Kreuzung aus den Perspektiven von zehn unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer:innen dargestellt – unter anderem aus Sicht von Fußgänger:innen, Radfahrer:innen, Pkw-Lenker:innen oder Lkw-Fahrer:innen.

Je nach Verkehrsmittel ergeben sich unterschiedliche Sichteinschränkungen und Blickwinkel. Diese können
- einzeln betrachtet
- direkt miteinander verglichen
- oder im Gesamtüberblick dargestellt
und anschließend verkehrserzieherisch diskutiert werden.
Die App eignet sich dadurch besonders für die Arbeit mit unterschiedlichen Zielgruppen – vom Volksschulalter bis hin zu erfahrenen Berufskraftfahrer:innen – und unterstützt Lernprozesse auf Wissens-, Einstellungs- und Verhaltensebene.
Didaktisches Konzept und Manual
Die Anwendung wird durch ein umfangreiches Benutzer:innenmanual ergänzt. Dieses bietet
- einen verständlichen Überblick über die wissenschaftlichen Grundlagen der Perspektivenübernahme und Gefahrenwahrnehmung
- didaktische Hinweise für den Einsatz im Klassen- und Schulungsraum
- praxisnahe Anregungen für Diskussion, Reflexion und Gruppenarbeit
Das Manual basiert auf dem integrativen Modell der Verkehrswahrnehmung und Gefahrenvermeidung und beleuchtet psychologische sowie physiologische Einflussfaktoren im Straßenverkehr.
Besonderes Augenmerk liegt auf der Entwicklung der Gefahrenwahrnehmung bei Kindern und Jugendlichen sowie auf dem Einfluss von Emotionen, Erfahrung und Fahrkompetenz.
Zielgruppen und Einsatzbereiche
Die App richtet sich an
- Bildungseinrichtungen im Aus- und Weiterbildungsbereich
- Pädagog:innen im Bereich Mobilitätsbildung
- Fahrschulen und Fahrschullehrer:innen im Theoriekurs
- Einrichtungen der Prävention und Verkehrssicherheitsarbeit
Nach einer Einschulung steht die Anwendung kostenfrei zur Verfügung.
Wissenschaftliche Grundlage und Verkehrssicherheitsstrategie
Die Inhalte der App basieren auf wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie unfallanalytischen Daten. Das im Realverkehr produzierte Foto- und Videomaterial ermöglicht eine realitätsnahe Schulung der verkehrsspezifischen Beobachtungs- und Gefahrenerkennungskompetenzen.
Der Nutzen der Anwendung spiegelt sich auch in mehreren Handlungsfeldern der Österreichischen Verkehrssicherheitsstrategie 2021–2030 wider, unter anderem in den Bereichen
- aktive und sichere Mobilität
- Pkw- und Motorradsicherheit
- effektive Bewusstseinsbildung sowie Aus- und Weiterbildung
Kooperation und Umsetzung
Die Anwendung wurde vom verkehrspsychologischen Institut sicher unterwegs in Kooperation mit der AUVA entwickelt.
Expertenstimmen zur Bedeutung der Gefahrenwahrnehmung: „Die Entwicklung der Gefahrenwahrnehmung beginnt in jungen Jahren und ist ein lebenslanger Lernprozess“, betont Mag. Dr. Bettina Schützhofer, Verkehrspsychologin und Geschäftsführerin von sicher unterwegs. „Durch evidenzbasierte Programme können Verkehrsteilnehmer:innen dabei unterstützt werden, Risiken frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren“, ergänzt Mag. Joachim Rauch, AUVA.