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Geisterfahrer - wer bist du?
Die Studie
- Erstmals Persönlichkeit von Geisterfahrern untersucht. Österreich Vorreiter
- Emotional labiler, weniger Selbstkontrolle, geringeres soziales Verantwortungsbewusstsein
- Prävention auf 3 Ebenen: Bewusstseinsbildung, vernetzte Verkehrsplanung und psychologischer Screening-Test
Nahezu täglich lassen Geisterfahrermeldungen die Autofahrer auf Österreichs Straßen aufhorchen. 2005 wurde allein via ORF 521 mal vor einem entgegenkommenden Fahrzeug gewarnt, durchschnittlich gibt es pro Jahr rund 12 durch Geisterfahrer verursachte Unfälle mit Personenschaden.
Im Rahmen einer bundesweiten Online-Umfrage 1) hat das Institut sicher unterwegs im Auftrag von Ö3 erstmals im deutschsprachigen Raum die Persönlichkeitsstruktur von Geisterfahrern untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Geisterfahrer unterscheiden sich im verkehrspsychologischen Persönlichkeitstest signifikant von Nicht-Geisterfahrern.
Deutliche Unterschiede zu Nicht-Geisterfahrern
Emotional labiler, niedrigere Selbstkontrolle und ein geringeres soziales Verantwortungs- bewusstsein – in diesen Punkten unterscheiden sich Geisterfahrer deutlich von Nicht-Geisterfahrern.
Geisterfahrer beschreiben sich signifikant häufiger als launisch, leicht zu beunruhigen und ungeübt im Umgang mit alltäglichen Belastungen. Sie weisen zudem eine signifikant niedrigere Selbstkontrolle auf, sehen sich undiszipliniert und nachlässig und bevorzugen leicht erlangbare Ziele.
"Diese Verkehrsteilnehmer fallen außerdem durch deutlich niedrigeres soziales Verantwortungsbewusstsein auf. Sie halten sich weniger an Regeln und Normen und verfügen über deutlich weniger Einsicht in die negativen Folgen ihres Fehlverhaltens," weiß Mag. Bettina Schützhofer, Leiterin des Instituts sicher unterwegs.
Geisterfahrer sind eine ernstzunehmende Gefahr auf Österreichs Straßen. "12 Unfälle mit Personenschaden pro Jahr sind 12 Unfälle zuviel. Mit der Umfrage haben wir neben den Umständen der Fahrt auch die Persönlichkeitsstruktur von Geisterfahrern unter die Lupe genommen, denn dazu gibt es noch keine Daten. Erst wenn wir wissen, warum jemand in die falsche Richtung fährt, können wir sinnvoll dagegen vorgehen," so Schützhofer.
Ursache – von Mutprobe bis Überforderung
Bei den Ursachen von Geisterfahrten ist zwischen absichtlichen und unabsichtlichen Geisterfahrten zu unterscheiden. Unabsichtliche Geisterfahrten entstehen meist aus einer Kombination aus fehlender Konzentration, schlecht empfundener Beschilderung, Müdigkeit und unbekannter Strecke.
Im Gegenzug dazu werden absichtliche Geisterfahrten in erster Linie als Mutprobe durchgeführt, sie finden hauptsächlich zwischen 0 und 6 Uhr morgens statt und haben ihren Ursprung vorwiegend in einem Richtungswechsel während der Fahrt, dem Verlassen der Raststätte in falscher Richtung, Zurückschieben auf der Autobahn oder versuchtem Selbstmord.
Unabsichtliche Geisterfahrten kommen vor allem durch falsches Auffahren zustande und finden am häufigsten zwischen 18 und 24 Uhr statt – das ist jene Zeitspanne, in der es die meisten Meldungen im ORF gibt. Auch in der Länge der Strecke unterscheiden sich die beiden Gruppen: Absichtliche Geisterfahrer legen mit Strecken zwischen 24 m und 70 km deutlich längere Strecken zurück als die unabsichtlichen Geisterfahrer mit Streckenlängen von 5 m bis 10 km. In beiden Fällen endet die Geisterfahrt vorwiegend durch Umdrehen, am zweit häufigsten durch Abfahren von der Autobahn/Schnellstraße.
Der absichtliche Geisterfahrer – jung und alkoholisiert
Vor allem beim absichtlichen Geisterfahrer zeigt sich ein eindeutiges Persönlichkeitsbild. Er ist jung – das berichtete Höchstalter liegt bei 31 Jahren – und
steht bei der Geisterfahrt unter Alkoholeinfluss: Alle absichtlichen Geisterfahrer, die sich dazu äußerten, gaben Alkohol-/Drogen- und/oder Medikamentenkonsum an.
Weiters auffällig: Die absichtlichen Geisterfahrer sind häufiger von Führerscheinentzug aufgrund von Alkohol am Steuer betroffen als die unabsichtlichen Geisterfahrer. Letztere zeigen eine größere Streuung beim Alter – sie sind zwischen 17 und 62 Jahre alt. Nur einer berichtete von Alkoholbeeinträchtigung.
Weniger Unfälle durch richtige Prävention
Die Lösung, um Geisterfahrten vorzubeugen, sehen die Experten von sicher unterwegs in einem dreiteiligen Maßnahmenpaket:
- in der stärkeren Bewusstseinsbildung auf Fahrerseite
- in der optimierten und besser vernetzten Verkehrsplanung sowie
- in einem vorbeugenden verkehrspsychologischen Screening-Test im Zuge des Führerscheinerwerbs
"Da sichGeisterfahrer in ihrer Persönlichkeit deutlich von anderen Verkehrsteilnehmern unterscheiden könnte ein Test überprüfen, inwieweit der Verkehrsteilnehmer bereit ist, sich den Regeln anzupassen und inwieweit er die Folgen einer Normenübertretung abschätzen kann. Personen, die auffällige Ergebnisse aufweisen, sollten bereits vor dem Führerscheinerwerb verpflichtend an einer verkehrspsychologischen Maßnahme teilnehmen," meint Schützhofer.
Allgemein empfiehlt sicher unterwegs ein stärkeres Miteinander von Verkehrsplanung und Verkehrspsychologie. "Würden wissenschaftliche Erkenntnisse zur menschlichen Informationsverarbeitung intensiver für die Führung des Autofahrers genutzt, würden viele Unfälle gar nicht passieren," ist sich die Verkehrspsychologin sicher.
1) * 1.061 Teilnehmer, 904 ausgewertete Fragebogen. Methodik: verkehrspsychologischer Persönlichkeitstest zur Verkehrsanpassung, Befragung zu einer eventuellen Geisterfahrt in den letzten drei Jahren
Kontakt und weitere Informationen:
sicher unterwegs – Verkehrpsychologische Untersuchungen GmbH
Mag. Bettina Schützhofer
Schottenfeldgasse 67/1/9
1070 Wien
Tel: 01/957 50 38 oder 0699/1924 82 01
Email: b.schuetzhofer@sicherunterwegs.at

